alles

3.1.
Spende fürs Katharinentor

Eine Finanzspritze für die Finanzierung des Katharinentores im
Breiten Weg kommt von der Dach-Service Ost GmbH. Geschäftsführer
Gerd Petzoldt (2. v. r.) übergab vor dem wiederaufgebauten
Eingangsportal der ehemaligen Kirche 6100 Euro an die Kuratoriumsmitglieder
für den Wiederaufbau des Tores Oliver Ball, Peter
Lackner und Klaus Zimmermann (v. l.). Das inzwischen eingeweihte
Tor kostet rund 230 000 Euro. 163 000 sind bereits durch
Spenden aufgebracht worden.

18.1.

Die Portal-Retter

Platz 4: Familie Schuster und K. Zimmermann

Am Fuße des Katharinenturms im Breiten Weg konnte 2016 das einstige Portal der Katharinenkirche wieder eingeweiht werden – 50 Jahre nach deren Zerstörung. Das Kuratorium unter Vorsitz von Klaus Zimmermann und die Denkmalschützer Hans-Jörg und Frank Schuster haben damit ein Stück Stadtgeschichte wieder ins Blickfeld gerückt und vor dem Vergessen gerettet. Sie haben u. a. Spenden eingeworben, um das in Originalteilen erhaltene Portal – mit der Kopie der heiligen Katharina – am alten Standort neu aufbauen zu können. Am 29. Oktober 2016 wurde das wiederaufgebaute Portal unter großer Anteilnahme der Magdeburger neu eingeweiht.

xx

Die Rückkehr der heiligen Katharina
4. Platz Klaus Zimmermann, Hans-Jörg und Frank Schuster für das Kuratorium Katharinenportal

Am Fuße des Katharinenturms konnte Ende Oktober das einstige Portal der Katharinenkirche wieder eingeweiht werden – genau 50 Jahre nach der
Zerstörung des Gotteshauses. Das Kuratorium unter Vorsitz von Klaus Zimmermann und die Denkmalschützer Hans- Jörg und Frank Schuster haben damit ein Stück Stadtgeschichte wieder ins Blickfeld gerückt.

Von Jana Wiehe
Es ist 1966, das Schicksalsjahr für die alte Pfarrkirche St. Katharinen im heutigen Breiten Weg. Die beiden Türme des Gotteshauses werden mit der Spitzhacke abgetragen. Ein Sprengen ist nicht mehr möglich, da die erst neu gebauten Häuser in der damaligen Karl-Marx-Straße Schaden nehmen könnten. Also tragen Arbeiter die Steine mit den Händen ab. Nur zwei Jahre, nachdem das Kirchenschiff der Katharinenkirche in die Luft gejagt worden war, weil es eben nicht so recht ins neue sozialistische Straßenbild passte, sind damit auch die Türme an derReihe. Eigentlich sollten zumindest sie als Erinnerung stehen bleiben. Ein Café oben im Turm stand gar in Rede, doch das alles zählt plötzlich nicht mehr. Auf Geheiß Walter Ulbrichts sollen jetzt auch die Türme weichen. Der Denkmalschützer Hans Schuster kann das nicht mit ansehen. Es gelingt ihm, wenigstens das Portal samt der heiligen Katharina als Schutzpatronin zu retten und einzulagern. Nach 736 Jahren endet aber die Geschichte der Pfarrkirche St. Katharinen.

Hans Schuster hatte schon zwei Jahre zuvor versucht, die Sprengung des Kirchenschiff s zu verhindern. „Nach einem Bombentreff er und dem Brand 1944 war zwar der Dachstuhl kaputt, Türme und Mauern aber waren intakt“, berichtet Hans-Jörg Schuster, einer von Hans Schusters Söhnen. Sein Vater war, um die Sprengung noch zu verhindern, am Tag zuvor nach Berlin ins Ministerium geeilt. Es wurde tatsächlich ein Telegramm aufgesetzt, das einen Aufschub gewährte. Doch das Telegramm traf nicht rechtzeitig ein. Am 24. März 1964 wurde die Katharinenkirche gesprengt, zwei Jahre später auch die Türme abgerissen. Das frühere Gotteshaus teilt am Ende das Los mit sieben weiteren nach Kriegsende zerstörten Altstadtkirchen.

Was bleibt, ist die Vision. „Unser Vater hätte das Portal nicht gerettet ohne den Wunsch, es auch wiederaufzubauen“, sagt der zweite der Söhne, Frank Schuster. Beide Brüder sind in die Fußstapfen des Vaters getreten, haben den Betrieb nach dessen Tod übernommen und streiten heute leidenschaftlich für den Denkmalschutz.

Die Idee vom Wiederaufbau lebte fort. Von 2001 existiert eine Skizze, die Hans Schuster gefertigt hat. Schon da gab es Überlegungen, das Portal wieder aufzustellen. Doch erst 2011 reiften sie zum Projekt, als die Wobau das marode Haus der Lehrer zum modernen Wohn- und Geschäftshaus umbaute. „Hier besann man sich auf die historischen Wurzeln, denn die Katharinenkirche stand genau an der Stelle des HdL“, erinnert sich Klaus Zimmermann. Der neue Name Katharinenturm sollte daran anknüpfen. Aber nicht nur das. „Das originale Portal war ja noch da. Irgendwie muss es zurückfinden“, gibt Zimmermann die damaligen Überlegungen wieder. Zunächst gab es den Vorschlag, die inzwischen gefertigte Kopie der heiligen Katharina (das Original steht in der Wallonerkirche) im Katharinenturm aufzustellen. Das wurde wieder verworfen, doch schon bald fand sich eine Schar begeisterter Magdeburger, die sagte: „Wir bauen das Portal wieder auf!“ Für die Schuster-Brüder war es keine Frage, da mitzumachen. „Für uns erfüllt sich damit auch das Vermächtnis unseres Vaters“, sagen sie. Am 1. Juli 2014 gründet sich das Kuratorium zur Wiedererrichtung des Katharinenportals. Mit dabei sind neben Klaus Zimmermann auch der damalige Wobau-Geschäftsführer Heinrich Sonsalla, der Statiker und Hochschulprofessor Dieter Beyer, der für die Elektrik zuständige Oliver Ball, der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann, Denkmalschützer Hans-Jörg Schuster und der Pfarrer der evangelischen Altstadtgemeinde Thoralf Thiele. Später kommt der neue Wobauchef Peter Lackner hinzu. Eine bunt gemischte Truppe, die ein gemeinsames Ziel verfolgt: den Wiederaufbau des historischen Katharinenportals zu einer breiten Bürgeraktion zu machen und dafür auch Spenden zu sammeln.

„Wir wollten zeigen, dass alle helfen können, dieses Stück Magdeburger Geschichte in das Stadtbild und Bewusstsein zurückzuholen“, beschreibt der Vorsitzende des Kuratoriums Klaus Zimmermann das Ziel. Und das stand auch zeitlich: Bis zur 50. Wiederkehr des Datums der Zerstörung der Altstadtkirche sollte das in Einzelteilen, aber original erhaltene Portal im Herbst 2016 wieder an Ort und Stelle stehen, gekrönt von der heiligen Katharina. Tatsächlich: Das Portal kann im Sommer wiederaufgebaut werden – dank zahlreicher Spenden. Klaus Zimmermann mit dem Kuratorium und die Schuster-Brüder knien sich in das Projekt hinein. Sie bringen ihr berufliches Können, aber auch viele Stunden Freizeit ehrenamtlich ein, sponsern teils auch Auftragsleistungen. Andere beteiligte Firmen helfen, indem sie Rechnungen stunden. Und es ist noch immer nicht alles beisammen. Von den 230 000 Euro fehlen noch rund 80 000 Euro, sagt Klaus Zimmermann.

Ganz fertig ist auch das Portal noch nicht. Eventuell soll noch eine Tafel von der Kirche und der heiligen Katharina berichten. Aber: Sie ist zurückgekehrt nach 50 Jahren! Zur Einweihung am 29. Oktober kamen rund 300 Bürger. Einige ältere unter ihnen kennen die Katharinenkirche noch, waren hier getauft worden. Nun gehen sie tief berührt durch das wieder auferstandene Portal.

„Es sind diese Bilder, die uns froh machen, dass wir es geschaff t haben“, sagt Klaus Zimmermann. Die drei Kandidaten. Aber am Ende alle gemeinsam.

Das Kuratorium

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